Header image
www.ernst-christen.ch

Ernst's Velotouren

  
 
 
 
 
 
Fahrradtour 2008 - 2013
Erste Etappe Schweiz - Thailand
Teil 7: Yssyköl-Tour, August 2008

Bild: Höhen und Geschwindigkeitsprofil der Yssyköl-Tour, 1030 km
 

Die Entscheidung über den weiteren Verlauf der Tour ist gereift. Da kaum Hoffnung besteht, dass die chinesische KP in absehbarer Zeit wieder freie Touristen (sprich: Zeugen) im grossen Stil in Xinjiang und Tibet duldet, gar nicht zu sprechen von einem Grenzübertritt durch das Tienshan Gebirge, fahre ich - falls sich die Situation in den nächsten Wochen nicht noch überraschenderweise zum Positiven ändert - weiter nach Novosibirsk, an den Baikalsee und in die Mongolei, in der Hoffnung, dass ich ca. Ende September in Ulan Bataar ein chinesisches Visum erhalte, um die Reise in Richtung Thailand fortzusetzen. Soweit Plan B.
Als Plan C verbliebe dann nur noch Wladiwostok und Japan.
Anfang Jahr, während der Planungsphase der Tour, war ich doch tatsächich noch so naiv zu glauben, dass die chinesische KP mit der Olympiade das Land öffnen könnte und die Welt in China willkommen heisst. Doch leider passiert genau das Gegenteil, China schottet seine Grenzen ab, nutzt die Olympiade als eine riesige innenpolitische Propagandaveranstaltung und viele Reisende sind irgendwo an den Grenzen gestrandet, da sie genau gleich wie ich kein Visa erhalten - während notabene in Peking unzählige Hotelzimmer unbenutzt bleiben und auf den Rängen der Olympiastadien staatlich angestellte Claquere frenetisch jubeln müssen.

Bild: Regierungsgebäude im Soviet-Stil im Zentrum Bischkeks.
Bild: In der Velowerkstatt von Juganov Oleg. Aufgrund fehlender Originalteile wissen sich die Leute mit allerlei Basteleien zu helfen. Hier wird der Freilaufkörper um einen Milimeter gekürzt, da der Zahnkranz zu viel Spiel hatte.
Bild: Eine Jurte im "Guesthouse Nomads Home", einem Treffpunkt für Traveller.
Bild: Ein Quartierbäcker in Bischkek.
Nach einer Woche habe ich endlich das kasachische Visum erhalten und konnte weiterreisen. Leider stellt die russische Botschaft in Bischkek lediglich Transitvisa für einen Aufenthalt von 72 Stunden aus. Bleibt zu hoffen, dass ich in Almaty ein Russland Visum für einen Monat erhalte. Vorerst geniesse ich nun die Bergwelt Kirgistans.
Bild: Melonenhändler an der Haupstrasse von Bischkek zum Bergsee YsykKöl.
Bild: Wie lange habe ich schon keine Berge mit einem grau verhangenen Himmel gesehen! Nach den Wochen unter der sengenden Sonne in der Steppe ist ein solches Wetter ein Hochgenuss.
Der Ysykköl (=heisser See), gelegen auf 1609 m.ü.M, ist nebst dem Titicacasee in Südamerika der weltweit grösste Bergsee (178km lang und bis zu 60km breit). Der See wird auch "Herz des Tienshan" genannt. Trotz strengen Wintern von bis zu -20°C gefriert der See nie zu, was vermutlich durch eine rasche Mischung von Oberflächen- und Tiefenwasser bedingt ist. Der leicht salzige und über 700m tiefe See soll an seinem Grund auch warme Quellen haben.
Bild: Eine Regenfront über dem Ysykköl.
Bei einer Reise durch die GUS Länder kommt man um Einladungen zum Wodkatrinken nicht herum. Mindestens ein oder zwei Gläschen muss man dann jeweils hinunterstürzen (am Glas nippen gilt offenbar nicht), bevor sich der Gastgeber zufrieden zeigt. Beim Rad fahren hilft Wodka allerdings nicht - ausser dass es damit einiges lustiger wird.
Bild: Kirgisischer Wodka.
Ende August kündigt sich in den kirgischen Bergen bereits der Herbst an. In der Nacht wurden die Berge mit Neuschneee "gepudert". Die ruhige Strasse führt teilweise direkt am Ufer entlang und bietet wunderschöne Ausblicke auf die bis über 5000 Meter hohen Schneegipfel des Tienshan.
Bild: Frisch verschneite Berge in Bokonbaev am Ysykköl.
Bild: Wunderschöne Ausblicke auf die Schneegipfel des Tienshan.
Bild: Am Südufer des des Ysykköl gibt es einsame und wunderschöne Badestrände. Das Wasser des riesigen Bergsees ist erstaunlich angenehm temperiert.
Bild: Der Badestrand im Touristenort Tamga.
Die Fahrt entlang des Ysykköls war wohl eine der schönsten Etappen des bisherigen Wegs. Alle paar Kilometer sah die Landschaft wieder anders aus, und unzählige Buchten mit lieblichen Stränden boten immer wieder einen Grund zu einer kurzen Rast.
Bild: Spannende Fahrt entlang des Ysykköls.
Am östlichen Ende des Ysykköl Sees durchquerte ich auf dem Weg zurück nach Almaty ein grünes Hochtal, wo als Vorbereitung auf den kommenden strengen Winter gerade das Heu gemacht und abtransportiert wurde.
Bild: Heutransport.
Etliche Viehzüchter sömmerten auch Ihre Schafe und Ziegen in dem Hochtal.
Bild: Berittener Schafhirte.
Bild: Die letzten paar Kilometer durch Kirgistan östlich des Ysykköl. Welch wunderschönes Land!
Bild: Ein Blick zurück von Kasachstan nach Kirgistan. Auf Wiedersehen hoffentlich.
Viele Kasachen und Kirgisen lieben "Kumis", einen "Milchwein" aus natürlich vergorener Stutenmilch. Kumis ist leicht alkoholhaltig (ca. 2%), im Geschmack säuerlich, prickelnd, kühl erfrischend und mit mandelartigem Abgang. Aufgrund seines hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalts dient das Getränk den Steppenvölkern teilweise als Ersatz für frisches Obst und Gemüse und gilt auch als ausgezeichnetes Nährmittel bei Tuberkulose, Eisenmangelanämie und Blutarmut.
Bild: Der Fahrer des Autos hat mir spontan eine Flasche Kumis und etwas Käse geschenkt, bot mir freundlich eine Mitfahrgelegenheit an (die ich höflich ausschlug) und wollte noch mit dem Fahrrad abglichtet werden, bevor er weiterfuhr. Diese kurzen Begegnungen sind stets von einer wohltuenden Herzlichkeit begleitet und bereiten viel Spass.
Bild: Zurück in Almaty
Es gibt Tage, die wie Weihnachten sind! Auf verschlungenen Umwegen bin ich nun doch noch zu einem chinesischen Visum gekommen (Judihui!). Ob aber der Landweg von Kasachstan nach China offen ist, bleibt zurzeit noch unklar. Eventuell muss ich bis Ürümqi, der Hauptstadt von Xingjiang, mit dem Flugzeug reisen. Die nächsten Tage werden es zeigen...
Bild: Chinesisches Visum!
Glücklicherweise habe ich vor ein paar Tagen erfahren, dass ein paar Radtouristen die Grenze zwischen Kirgistan und China erfolgreich überquert haben. Wenn das keine guten Neuigkeiten sind! Also habe ich mir ein neues kirgisische Visum geholt und bin zurück nach Bischkek, Kirgistan gefahren.
Bild: Ein einsamer Rastplatz neben dem Highway.
Bild: Frank aus Holland, 61 Jahre alt und passionierter Tourenfahrer. Er ist seit Monaten unterwegs und will gleich wie nach Südost-Asien fahren. Getroffen haben wir uns zwischen Almaty und Bischkek.
Bild: Zurück in Bischkek. Die Reise geht nun doch weiter über das Tienshan und Pamir Gebirge nach China.
Nächste Seite / Teil 8: Kirgistan
nach oben